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Sieben Thesen für eine moderne Saar-Uni

Anknüpfend an seinen Kommentar im HANDELSBLATT zu Hochschullandschaft und in Forschung&Lehre zur universitären BWL gibt es heute im FORUM einige kurze Überlegungen zu einer modernen Saar-Uni, nachzulesen  ->hier.

Gefordert wird dort:

  1. Demokratisierung der Universität.
  2. Kooperationskultur.
  3. Verstärkte Nicht-MINT-Forschung.
  4. Anpassung der Bologna-Reform.
  5. Struktursicherheit.
  6. Verwaltungsreform.
  7. Transparenzoffensive.

Also:

Der Umbau der Universität des Saarlandes in Richtung auf MINT mag kurzfristig attraktiv wirken, ist aber gerade für eine Universität dieser Größe ebenso gefährlich wie für das Saarland und seine Unternehmen: Auch wenn Hochschulleitungen von MINT und Elite träumen, müssen Mitarbeiter von morgen Unternehmen in einer Form gestalten, die langfristiges Überleben sichert und eine wirklich lebenswerte Arbeitswelt ermöglicht. Damit sind auch Geistes- und Sozialwissenschaften kein unnötiger Luxus, sondern Teil unserer Identität und unserer nationalen Wettbewerbsstrategie. Denn was wir nicht vergessen dürfen: Habermas und Luhmann haben uns mindestens genauso weitergebracht wie Zeiss und Zuse.

BWL an Universitäten ? (Artikel Prof. Scholz aus F&L)

Manchmal geschieht es, dass vermeintlich kleine Entscheidungen in einem kleinen Land eine grundlegende Bedeutung für das Ganze einer Sache bekommen können. Ein Beispiel ist der Umgang im Saarland mit dem Fach Betriebswirtschaftslehre.“

Mehr dazu im Artikel von Prof. Christian Scholz in  Forschung & Lehre (7/2104,544-545) und hier -> PDF

Aktueller Kommentar im Handelsblatt zur Hochschulentwicklung (Prof. Scholz): „Klammheimlicher Umbau“

„Und damit sind auch Geistes- und Sozialwissenschaften kein unnötiger Luxus, sondern Teil unserer Identität und nationalen Wettbewerbsstrategie: Ein Habermas und ein Luhmann haben uns mindestens so weitergebracht wie ein Zeiss und ein Zuse. Also im Interesse von Universitäten, Wirtschaft und Studenten: MINT definitiv ja, aber nicht als zentrale Entwicklungsrichtung.“

Der komplette  Kommentar von Prof. Christian Scholz steht im  Handelsblatt Nr. 133 vom 15.07.2014 auf  Seite 19 und  hier als ->  PDF.

Wird das die neue Universität des Saarlandes?

Radiohören macht schlau und mit etwas Verspätung deshalb hier der Hinweis auf einen Radiobeitrag. Er folgte dem feudalistischen Grundprinzip, wonach Opfer von Reorganisationen dies am besten aus dem Radio erfahren sollen.

link -> hier

Spätestens seit diesem Radiobeitrag war also klar, wie die neue Universität des Saarlandes nach Ansicht des Präsidiums aussehen soll.

Offen bleibt  die Begründung für dieses von Oben verordnete Vorgehen. Dazu kam bisher praktisch nichts.

Wenn der Universitätspräsident als Vorlage für den Neuzuschnitt der Wirtschaftswissenschaft pauschal auf die Universität Mannheim verweist, so wirkt dies sicherlich etwas befremdend, wenn man sich die Universität Mannheim einmal auf ihrer Homepage anschaut.
(Das macht aber insofern nichts, musste doch die Universität Mannheim bei unserer Hochschulreform auch schon in völliger Unkenntnis der Realität als Beispiel für eine Business School im Verbund von Fachhochschule und Universität herhalten).

Das Präsidium hat soweit erkennbar noch keine Kosten-/Nutzenanalyse für ihren Vorschlag zur Umstrukturierung der Universität vorgelegt.

Was bringt es an Einsparungen, wenn die WIrtschaftswissenschaft jetzt zur Sportwissenschaft statt zur Rechtswissenschaft gehört, die Ihrerseits die Germanistik zugeteilt bekommt? Wird es statt dem Studiengang „Wirtschaft und Recht“ jetzt den Studiengang „Jura und Deutsch“ geben? Liegt da das Einsparpotenzial?

Dass gespart werden soll und wird, das ist klar. Aber welches zusätzliches Einsparpotenzial ergibt sich konkret durch diese seltsame  Fakultätsneugliederung?

Oder ist dieser „Umbau“  eine Zwischenstufe zu einer ganz anderen Lösung, wo zwei neu geschaffenen Fakultäten dann doch sukzessive aufgelöst werden? Sind sie so etwas wie eine Bad-Bank, in die man beliebig gemischt alles steckt, was der Wissenschaftsrat nicht mehr haben will? Nur um all das dann doch nach  kulturellem Entwurzeln am langen Arm aushungern zu lassen und eine  MINT-Universität ausrufen zu können?

Fragen über Fragen. Und deshalb noch eine Frage: Vorschläge für derartige Veränderungen hören wir seit Jahren und wenn diese soweit erkennbar nutzlose Veränderung jetzt stattfindet, wird sie uns für viele Jahre beschäftigen: Hat sich eigentlich irgendjemand irgendwann einmal überlegt, wie in diesem Klima ernsthaft geforscht und begeistert unterrichtet werden kann?

„Hochschule in der Krise „: EIn interessanter Link

Inzwischen werden Thesen aus unser Forschung über deutsche Universitäten an Stellen aufgegriffen, wo man es eigentlich nicht erwartet.

„An deutschen Universitäten haben heute Profesor*innen, die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und die Studierenden … nur sehr geringe Handlungsspielräume und sehr geringe Chancen, die universitären Sturkturen mitzugestalten. Die Entscheidungsstruktur obliegt ausschließlich dem Präsident / der Präsidentin und dessen / ihren  engsten Mitarbeiter*innen. Dieses Herrschaftsprinzip bezeichnen die Wirtschaftswissenschaftler Christian Scholz und Volker Stein als „präsidialen Feudalismus“. „

… gefunden in der Publikation „Hochschule in der Krise“ von www. linke-sds.org. Jetzt ist der lesenswerte Text auch online verfügbar und zwar -> hier.

 

orga.tv: KORFU (nicht Insel, sondern Universität der Zukunft)

Universitätsforscher aus 24 Ländern und fünf Kontinenten waren eingeladen und diskutieren an der Universität des Saarlandes vom 26. bis zum 28. Juni über alternative Modelle der Universitätsentwicklung.

„Der ehemalige Dekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität des Saarlandes und Direktor des Europa-Instituts Univ.-Prof. Dr. Christian Scholz (Saarbrücken) und der Organisationsexperte Univ.-Prof. Volker Stein (Siegen) richteten gemeinsam vom 26. bis zum 28. Juni an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken die internationale wissenschaftliche Konferenz „The Dean in the University of the Future. Learning From and Progressing With Each Other“ aus. Diese Tagung ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vergebenen Projektes „Korporatismus als ökonomisches Gestaltungsprinzip für Universitäten“ (kurz: KORFU), das von beiden Lehrstühlen seit mehreren Jahren bearbeitet wird.“

Diese Tagung ist ein Schwerpunkt in der heutigen Sendung von orga.tv um 18:18.
Studiogast: Frau Dipl. oec. Inken de Wit, die das KORFU-Projekt an der Universität des Saarlandes betreut und Koordinatorin der Tagung war.

Zusätzliche Informationen zur Tagung finden sich ->hier.

Die Pressemeldung zur Tagung steht -> hier.

 

 

Internationale Konferenz in Saarbrücken: Nur starke und autonome Fakultäten können Universitäten schlagkräftig und zukunftsfähig machen.

Die Pressemeldung (der Pressestelle der Universität Siegen) finden sie -> hier.

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Auf der Suche nach der Universität der Zukunft gibt es viele Spannungsfelder. Bildungspolitische Unklarheit, abnehmende Finanzierbarkeit, unerfüllte Bologna-Visionen und bedrohte Nachwuchsentwicklung sind nur einige davon. An der Universität des Saarlandes diskutierten 40 eingeladene Universitätsforscher aus 24 Ländern und fünf Kontinenten jetzt konkrete Möglichkeiten, jenseits einer dominanten Präsidialsteuerung über starke und autonome Fakultäten der Universität wieder eine Zukunft zu geben.

Univ.-Prof. Dr. Volker Stein (Siegen) und Univ.-Prof. Dr. Christian Scholz (Saarbrücken) richteten vom 26. bis zum 28. Juni an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken die internationale wissenschaftliche Konferenz „The Dean in the University of the Future. Learning From and Progressing With Each Other“ aus. Sie ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vergebenen Projektes „Korporatismus als ökonomisches Gestaltungsprinzip für Universitäten“ (kurz: KORFU).

Gerade die Rolle von Fakultäten und Dekanen ist alles andere als geklärt“, so Professor Volker Stein. „Momentan entkoppeln sich Universitätsleitungen häufig von den Fakultäten, also von den Bereichen, die Forschungsinnovation und Lehrexzellenz hervorbringen sollen.“ Professor Christian Scholz ergänzt: „Wir brauchen neue Modelle, bei denen eigendynamisches Zusammenspiel der Fakultäten als Motor des Fortschritts wirkt und nicht alle wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange auf die Universitätsleitung starren.“

Die Teilnehmer aus 24 Ländern, darunter viele Dekane und Hochschulforscher aus Asien, Afrika, Südamerika und Australien, tauschten ihre Erfahrungen aus und diskutierten intensiv darüber, wie eine Universitätssteuerung gestaltet werden kann, die in Zeiten interdisziplinärer Leistungsanforderungen in einem internationalen Bildungswettbewerb Universitäten und nationale Bildungssysteme stärkt. Dekane (engl.: Deans) sollen akademische Manager sein, die Universitäten von innen kennen und dort entsprechende Erfahrungen als Akademiker gemacht haben.

  • Die Fakultätsentscheidungen sollen offen, kollegial und rechenschaftspflichtig sein.
  • Dekane sollen Fakultätsstrategien formulieren und umsetzen.
  • Sie sollen nicht von der Universitätsleitung zu Kooperationen mit externen Partnern gezwungen werden können, wenn dies nicht zur Fakultätsstrategie passt.
  • Sie sollen sich eigenständig Finanzmittel beschaffen dürfen und akkurate Informationen zu allen Steuerungsparametern der Universität erhalten.
  • Dekane sollen Studierende und Professoren über die Universitätssteuerung informieren.

Dass dies nicht allein Wunschdenken ist, belegen die Erfahrungen aus den USA, wo die Spitzenuniversitäten auf genau dieses Erfolgsrezept schwören – also eine weitgehende Fakultätsautonomie, während die Universitätsleitung keine inhaltlichen Strategien vorgibt, sondern für Außendarstellung und Finanzierung verantwortlich zeichnet. Die Stärkung autonomer Entscheidungsgremien auf Fakultätseben würde die Steuerung der Universität vereinfachen.

Univ.-Prof. Dr. Martin Paul, Präsident der international renommierten und für ihre erfolgreiche Internationalisierungsstrategie bekannten Universität Maastricht, stellte in seinem Eröffnungsvortrag das niederländische Modell der Universitätssteuerung vor: Durch einen faktischen „Zwang zum Konsens“ zwischen Professoren, Dekanen und Universitätsleitung – verbunden mit klaren Verantwortlichkeiten – mutieren Dekane und Fakultäten nicht zum entleerten Phantom, sondern bleiben das „akademische Herz“ der Universität.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

DIES-Programm: Dekane aus Lateinamerika zu Besuch

Im Rahmen des unter anderem vom DAAD unterstützen „Dialogue on Innovative Higher Education Strategies“ (DIES) waren  unter der Leitung von Prof. Scholz in der letzten Woche Dekane aus Lateinamerika zu Besuch an der Universität des Saarlandes und Gäste in den Räumen des Europa-Institutes sowie unseres Lehrstuhls. Heute geht’s zusammen weiter nach Alicante.

Empört Euch!

Für allen, die über die aktuelle Organisationsform von Universitäten nachdenken oder die das deutsche Bolonga-Experiment für eine Katastrophe halten, hier ein Hinweis auf einen sicherlich interessanten Fernsehfilm:

Energie und Talent von Filmemacher Tony Gatlif tragen den Dokumentarfilm. „Empört Euch!“ steht in der Tradition des gleichnamigen, weltweiten Bestsellers des Lyrikers und ehemaligen Résistance-Kämpfers Stéphane Hessel und zeichnet das Bild einer Welt, die aus dem Ruder läuft, in der sich aber auch neue Hoffnungen und Wege auftun.

Heute zu sehen auf ARTE, 22:05 bis 23:20

Und: Eine ganze Woche als  Wiederholung unter  -> Hier

Plus: Das Storyboard zum Film -> Hier

P.S. und: zwei kleine Zusatztexte aus meinem Anhalter-Blog (von 2009 ->Hier) und aus der WELT (über 2011 -> Hier)