Haftungsrisiko Personalmanagement
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Was passiert, wenn ein Unternehmer einen Baggerfahrer einstellt, der keinen Führerschein hat, nicht mit dem Bagger umgehen kann und beim ersten Baggerversuch irrtümlich eine Hochspannungsleitung abreißt? Man wird prüfen, ob die Personalabteilung grob fahrlässig gehandelt hat und vielleicht sogar den Personalchef für diese Personalentscheidung zivil- beziehungsweise strafrechtlich verantwortlich machen.

Aber was passiert, wenn Top-Manager von Banken nicht in der Lage sind, Risiko vernünftig einzuschätzen und die Komplexität von Finanzmärkten zu durchschauen? Zwar kann man die Schuld auf die Manager schieben – und da ist sie vermutlich auch gut aufgehoben. Man kann aber zusätzlich darüber nachdenken, wer diese Manager eigentlich eingestellt hat und wer die aberwitzigen Gehaltssysteme entwickelt hat, die derartiges Verhalten produzieren. Wichtig allerdings dabei: Diese Aussagen gelten nicht nur für den Finanzsektor. Denn Bankenmanager sind nicht viel besser und schlechter als andere Manager, denn überall gibt es gute und schlechte Manager.

Nur jetzt sind die Probleme offenkundig geworden, wozu auch das Versagen der Personalfunktion gehört!

Das erste Problem ist die Personalauswahl. Es wird – und darauf legen vor allem viele Personalberater Wert – nicht auf Fachkompetenzen geschaut, weil diese im oberen Management entweder nicht nötig oder aber definitionsgemäß vorhanden ist. Man evaluiert primär Sozialkompetenz. Dass dies ein Fehler war, sieht man an der aktuellen Bankenkrise. Der zweite Fehler liegt im Management Development, das im oberen Management selten stattfindet und noch seltener Inhalte wie vernetztes Denken oder Multiperspektivität beinhaltet. Der dritte Fehler sind Gehaltssysteme, bei denen Gehalt in keiner Relation zur Leistung steht und wo oft kurzfristige Risikobereitschaft belohnt wird: Teilweise gibt es Geld dafür, dass man ein Unternehmen kauft und kurz danach noch einmal Geld, weil man es (mit Verlust) wieder verkauft. Ein vierter Fehler sind Abfindungen, die selbst schwere Management-Fehler auch noch belohnen.

Die Ursachen der aktuellen Krise betreffen also letztlich alle Unternehmen und auch die Personalfunktion. Denn wenn diese nicht dafür sorgt, dass die „richtigen“ Manager eingestellt und diese vernünftig weiterentwickelt werden, dann sind sie dafür genauso verantwortlich, wie für Fehlsteuerungen durch unsinnige Entgeltsysteme. Zudem verstecken sich Risiken nicht nur in den Bilanzen, sondern auch im Humankapital der Unternehmen – und hier ist es keine Entschuldigung, wenn die Personalisten einfach nicht hingeschaut haben.
Spätestens in der Arbeitswelt der Zukunft werden Personalmanager für ihre Aktionen haften und bei grober Fahrlässigkeit auch mit ihrem Privatvermögen. Das mag nicht jedem gefallen, wird aber zu einem Professionalisierungsschub führen.