Der Staat als Regulator für Personalarbeit

Mitarbeiter "verwöhnen und verhätscheln"?

Politiker nutzen immer intensiver die Wirtschaftskrise, um ideologisch regulierend in die Arbeitswelt einzugreifen. Worauf wir uns hier einstellen müssen, zeigte am 26. Juni eine Sitzung des Arbeitsministeriums in Berlin zum Human-Potential-Index (HPI). Erstes Ergebnis: Die Kreditvergabe an Unternehmen wird davon abhängig gemacht, wie "gut" sie mit ihren Mitarbeitern umgehen. Dass bald auch Staatsaufträge und Fördermittel an den HPI-Wert gebunden werden, liegt auf der Hand und das Unternehmen im Würgegriff der Regierung.

Als "gute Personalarbeit" fordert man im Einklang mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund ein Verhalten, bei dem das Unternehmen die Mitarbeiter umsorgt, umhegt, nicht während der Probezeit kündigt, mit Prämien versorgt, fleißig Feedback einholt und auf Stress verzichtet. Dazu gibt es über 100 Standardvorgaben für eine solche mitarbeiterfreundliche Personalarbeit.

Jetzt mag man einwenden, dass sich diesen Luxus nur große Unternehmen leisten können, die finanziell gerade gut dastehen. Das ist richtig, interessiert aber niemanden - denn Psychonomics als HPI-Erfinder und Organisator von "Great Place to Work" suggeriert eine umgedrehte Kausalität: Gerade die Unternehmen, die Mitarbeiter fürsorglich behandeln und umfassend belohnen, steigern dadurch den finanziellen Unternehmenserfolg.

Dies ist statistisch nicht belegt und lebenspraktisch bedenklich, nur: Wer kennt den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation? Und wer will nicht an so eine schöne heile Arbeitswelt glauben?

Der Rest ist Formsache, denn es lockt das große Geld: Man nehme eine bunte Schar von Beratern, die beim Ausfüllen der Fragebögen und diversen HPI-Analysen helfen, ein flächendeckendes Netz an Zertifikationsstellen, Seminaranbieter zur Schulung und Zertifizierung von Beratern, einige mit Psychonomics verbundene Professoren, die Personalistenvereinigung DGFP und ein meinungsführendes Personalmagazin.

Plötzlich ist das Ziel von 1000 HPI-genormten Unternehmen für 2012 realistisch. Bemerkenswert: Auch in Österreich wird schon beraterseitig damit geworben, Unternehmen beim HPI helfen zu können.

Das Fremdwörterbuch definiert "to pamper" als "verwöhnen und verhätscheln". Da liegt spöttisch die Bezeichnung "Human-Pampering-Index" nahe, weil es bei der zu erzielenden HPI-Punktzahl primär um einen hohen Wert für umfassendes Verwöhnen und Verhätscheln der Mitarbeiter geht. Doch Spott ist hier fehl am Platze, wenn aus der HPI-Initiative plötzlich für Unternehmen bittere Wahrheiten werden, vor denen der Arbeitgeberverband BDA bereits jetzt eindringlich warnt.

Wie todernst das von der SPD geführte Arbeitsministerium in Berlin es mit "Human Pampering" meint, sieht man daran, dass der HPI vor kurzem, am 14. Juni, explizit in das SPD-Programm für die nächste Legislaturperiode aufgenommen worden ist: Damit mutiert die Arbeitswelt endgültig zur Gelddruckmaschine für genehme Berater und zum ideologischen Spielball für Politiker.