Ziel
des Projektes ist es, eine von allen Beteiligten (Praktikern und
Wissenschaftlern) getragene Definition/Abgrenzung "virtueller
Banken" zu finden und eine Konzeption für deren Funktionsweise
zu erarbeiten. Als wesentliche Unterziele lassen sich die Analyse
des aktuellen Forschungsstandes zum Thema "virtuelle Banken",
die Erhebung, Beschreibung und Auswertung praktischer Ansätze
sowie die Entwicklung von Szenarien zur Illustration unterschiedlicher
Entwicklungsmöglichkeiten formulieren.
Die
bisherigen Diskussionen der Arbeitsgruppe "Virtuelle Banken"
sind wesentlich geprägt durch unterschiedliche Meinungen darüber,
wie "virtuelle Banken" von traditionellen Banken abzugrenzen
bzw. zu definieren sind. Aus Praktikersicht sind viele Themen,
die heute mit dem Schlagwort "Virtualität" ausgezeichnet
werden, schon lange bekannt, etwa das Geschäft mit Kreditkarten,
Homebanking über Bildschirmtext, Anwendungen der Telekommunikation
im Bereich des "International Cash Management" oder
"Electronic Data Interchange". Hieraus ergibt sich die
Frage, was wirklich neu am Konzept der "virtuellen Bank"
ist.
Von
Seiten der Theorie kann auf geschlossene Erklärungs- und Gestaltungsmuster
für "virtuelle Unternehmen" können, ggf. jedoch auch
branchenspezifischer Anpassungen bedürfen. Darüber hinaus ist
zu fragen, ob Konzepte wie "Business Process Reengineering"
(BPR) oder "Lean Management" Bezugspunkte für eine organisationstheoretische
Analyse "virtueller Banken" eröffnen. Beispielsweise
kann es sein, daß die mit BPR verbundenen Umstrukurierungsabsichten
sich nicht mit dem Konzept des "virtuellen Unternehmens"
vereinbaren lassen, weil sie über Unternehmensgrenzen hinausgehen
und möglicherweise zur Aufgabe der Selbständigkeit der VU-Partner
führen.
Die
(noch) bestehende Unklarheit und Uneinigkeit darüber, was "virtuelle
Banken" sind, wie sie (in Zukunft) aussehen könnten, oder
ob es sie überhaupt gibt beziehungsweise geben wird sind der Ausgangspunkt
für das erste, circa ein Jahr dauernde Arbeitsprogramm der Untergruppe
"Virtuelle Banken". Eine einheitliche Definition des
Begriffes "virtuelle Bank" ist die Grundlage der Erarbeitung
von Realisationsmöglichkeiten. Daher muß der Virtualitätsbegriff
auf die Besonderheiten von Banken abgestimmt werden. Eine gewisse
Schwierigkeit bereitet in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß
Finanzdienstleister im allgemeinen und Banken im besonderen letztlich
Informationsdienstleister sind: Informationen sind immateriell
und insofern nur "dem Anschein nach" physisch/real existent
- die Nähe zur Übersetzung des Begriffs "virtuell" ist
unverkennbar.
Prozesse
der Informationsverarbeitung bestimmen zum einen wesentlich die
bankinternen Wertschöpfungsprozesse. Zum anderen handelt es sich
bei den erstellten Produkten überwiegend um wirtschaftliche Werte
in Form von immateriellen (quasi-"virtuellen") Nominalgütern
(z.B. Guthaben, Wertpapierdepots) oder in Form von Informationen
wie etwa die Auskunft über aktuelle Börsenkurse. Auch beim Geld
kommt es nicht mehr auf das Physische an, sondern vielmehr auf
die Information, die damit verbunden ist. In letzter Konsequenz
bedeutet der Transfer von Geld nichts anderes, als Informationen
auszutauschen. Es erscheint sinnvoll, mit einer pragmatischen
Auffassung dessen, was eine virtuelle Bank ist, zu beginnen. So
könnten z.B. die Begriffe "virtuelle Bank" bzw. "Virtual
Banking" stellvertretend für eine Entwicklung betrachtet
werden, wie die Bank im 21. Jahrhundert bzw. bis zum Jahr 2020
aussehen wird (unabhängig davon, ob man sie im Sprachgebrauch
dann auch virtuelle Bank nennen wird). Um neue Entwicklungen bzw.
Trends im Bankenbereich umfassend erheben zu können, sollte die
Einschränkung der Betrachtung auf das Firmenkundengeschäft erst
in einem zweiten Abschnitt der Arbeitsgruppe vorgenommen werden.
Gerade das Retailbanking wird zumindest in der Presse oft
als Beispiel für "Virtual Banking" angeführt. Erkennbar
ist, daß "Virtual Banking" oft synonym für neue Entwicklungen
im "Homebanking" und "Point of Sale-Banking"
verwendet wird.
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