Medienstandort (SaarLorLux)

Unabhängige Studie von orga.uni-sb.de und dem Institut für Managementkompetenz (imk)
in Zusammenarbeit mit der Landesmedienanstalt Saarland (LMS)

Ausgangslage und Fragestellungen:

Das Saarland als wirtschaftlich relativ strukturschwaches Bundesland steht vor der anhaltenden Herausforderung, seinen Strukturwandel zu vollziehen und neue Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Um das Saarland und die umliegenden Regionen als Standort attraktiv zu präsentieren, werden in letzter Zeit verstärkt die Standortvorteile des Grenzgebietes „SaarLorLux“ in den Vordergrund gerückt. Viele der bisherigen Versuche in diesem Zusammenhang sind gescheitert: aufgrund unklarer Zielsetzungen, mangelhafter Arbeitsteilung zwischen Politik, Wirtschaft und Forschung sowie unstrukturierter Koordination und Integration der grenzüberschreitenden Anstrengungen.

Was in jüngerer Zeit aufgrund der im Saarland vertretenen Firmen und der Positionierung in Forschung und Lehre Zukunftspotenziale aufweist, ist die Medienbranche – doch es wird noch relativ wenig über das Saarland als „Medienland“ diskutiert. Gerade die Medienlandschaft bietet auch in der Großregion enorme Chancen. Sowohl in der Wirtschaft als auch in der Forschung existieren in der Großregion Kompetenzträger, die national und teilweise international in ihren Märkten etabliert und anerkannt sind. Um das vorhandene Potenzial zu nutzen und gegebenenfalls einen Medienstandort Saar(LorLux) zu entwickeln und zu etablieren, ist eine gezielte „Medienstrategie“ erforderlich.

Die folgenden Fragen gaben deshalb Anlass zur Untersuchung der Potenziale eines regionalen Medienstandorts Saar(LorLux): Lassen sich für Medienunternehmen im Saarland durch eine stärkere grenzüberschreitende Vernetzung mehr Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen als bisher? Bestehen Synergien zwischen der Medienwirtschaft des Saarlands, Lothringens und Luxemburgs? Weisen SaarLorLux oder alternativ das Saarland allein das Potenzial für einen tragfähigen Medienstandort auf?

Untersuchungsziel:

Ziel der Analyse des Medienstandorts Saar(LorLux) war die Identifikation funktionierender Medienstandorte in der Großregion SaarLorLux. Funktionierend bedeutet in dem Zusammenhang die Erfüllung bestimmter Kriterien wie etwa die Erzielung einer überdurchschnittlichen Wertschöpfung in der regionalen Medienwirtschaft. Funktionierend bedeutet aber auch langfristig ohne Subventionen überlebensfähig. Die Studie war dabei bewusst ergebnisoffen angelegt. Denkbar war, dass SaarLorLux ein funktionierender Medienstandort sein kann oder das Saarland alleine, oder auch dass weder das Saarland noch SaarLorLux sich zu einem wettbewerbsfähigen Medienstandort entwickeln können. Eine weitere Zielsetzung des Projektes war der Entwurf einer Positionierungsstrategie für den Fall, dass sich Potenzial zum Medienstandort abzeichnet.

Standortmodell:

Der Untersuchung liegt ein Modell mit 20 Standortfaktoren zugrunde. Dieses basiert unter anderem auf einer Analyse erfolgreicher Medienstandorte. Die Faktoren müssen an einem Standort vorhanden sein um eine positive Entwicklung der Medienwirtschaft an diesem Standort zu gewährleisten. Aufbauend auf einer systemtheoretischen Betrachtung der Einflussbeziehungen zwischen diesen Standortfaktoren erfolgte der Entwurf einer "Standortarchitektur": die Standortfaktoren können anhand der Anzahl ihrer direkten und indirekten Verstärkerwirkungen auf die übrigen Faktoren gemäß ihrer Bedeutung oder Zentralität in eine Rangfolge gebracht werden. Diese Vorgehensweise gibt Aufschluss darüber, bei welchen Faktoren Politik, Wirtschaftsförderung und andere relevante Gruppen ansetzen können, um mit geringstmöglichem Mitteleinsatz den größtmöglichen Nutzen für die (Weiter-)Entwicklung eines Standorts zu erzielen.

Vorgehen:

Anhand des 20-Faktoren-Modells wurde die Ausprägung der Standortfaktoren in den Teilregionen Saarland, Lothringen und Luxemburg analysiert und im Hinblick auf die Schaffung grenzüberschreitender Strukturen untersucht. Dabei wurden die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken jedes Standortfaktors im Hinblick auf einen Medienstandort Saarland auf der einen Seite sowie im Hinblick auf einen Medienstandort SaarLorLux auf der anderen Seite festgestellt. Parallel dazu wurden die Einflussbeziehungen zwischen Standortfaktoren an wirtschaftlich erfolgreichen Medienstandorten untersucht und die wichtigsten Standortfaktoren extrahiert. Die Ergebnisse aus den Analysen der konkreten Standorte Saarland und SaarLorLux konnten somit auf das Standortfaktorenmodell übertragen werden und im Hinblick auf ihre Realisierbarkeit miteinander verglichen werden.

Ergebnis:

Ein Medienstandort SaarLorLux ist betriebswirtschaftlich nicht tragfähig. Dagegen ist ein Medienstandort Saarland durchaus realisierbar. Notwendig ist der gemeinsame Wunsch und Wille, einen solchen Medienstandort mit Beteiligung von Politik, Wirtschaft, Institutionen, Verbänden und Kammern auch wirklich aufzubauen. Dafür wäre eine konsequente Ausrichtung auf Marktlösungen notwendig. Die Studie macht daher einen konkreten Vorschlag, wie ein solcher Medienstandort Saarland aussehen könnte.

Information für Gesprächspartner
(vorbereitet für den 18.04.2005)


       (4,8MB)


 (1,2 MB)
Powerpointpräsentation der Ergebnisse
(vorbereitet für den 18.04.2005)
Pressemitteilung
01.07.2005
Pressemitteilung lang
01.07.2005

 

Die Publikation:

Christian Scholz/Tanja Bollendorf/Uwe Eisenbeis:
Medienstandort Saar(LorLux): Bestandsaufnahme - Entwicklungsperspektive - Umsetzungsstrategie

ISBN : 978-3-87988-951-8

Kontakt:

Univ.-Prof. Dr. Christian Scholz
Universität des Saarlandes
Campus A5 4 Postfach 15 11 50
66123 Saarbrücken

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Telefax: +49 (0)681 302 3702
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