Hochleistung braucht Dissonanz

Was Teams vom 5-Sekunden-Modell der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen lernen können

Cover: Hochleistung braucht Dissonanz

Wie arbeiten Hochleistungsteams? Dafür gibt es bisher nahezu keine verwertbaren Strategieempfehlungen. Die Forschung schweigt sich mangels solider empirischer Daten weitgehend aus. Und selbst aus der Beraterszene kommen allenfalls platte Hinweise wie "den Ball flach halten und hoch gewinnen", bei denen zwar jeder sofort zustimmt, die aber aufgrund ihrer Inhaltsleere letztlich doch niemanden weiter bringen. Oft wird vergessen, dass wirkliche Hochleistung nicht durch friedliches Miteinander entsteht, sondern durch Widersprüche, Konflikte und Wettbewerb. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, der Vorstand von Siemens, die Bundesregierung, das Forschungsteam von SAP, die Kreativen einer Marketing-Abteilung oder die Besatzung eines Verkehrsflugzeuges: Sie alle sollen Hochleistung erbringen, schaffen es aber nicht immer. Genau hier beginnt die Herausforderung für das vorliegende Buch. Denn: Was sind die Gesetzmäßigkeiten, nach denen erfolgreiche Teams - vor allem unter extremem Leistungsdruck - arbeiten?

Das Buch von Christian Scholz und Albert Schmitt handelt von Hochleistungsteams und beschreibt in diesem Zusammenhang die Geschichte der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, einem internationalen Spitzenorchester. Dabei geht es allerdings nicht wie sonst üblich um die Rolle des Dirigenten, der Musiker wie dressierte Tiere auftreten lässt. Es geht um ein spezielles Orchester, das unabhängig vom Dirigenten Hochleistung erbringt und deshalb zum Grundmuster für ein Hochleistungsteam werden kann. In diesem Buch wird damit die organisatorische DNA als allgemeiner genetischer Code von Hochleistungsteams entschlüsselt, in einer Form, die hilfreich sowohl für Praktiker und Forscher ist. Dass man gleichzeitig viel über ein interessantes Top-Orchester erfährt, ist nicht nur ein schöner Nebeneffekt, sondern authentischer Beleg für die Sinnhaftigkeit des präsentierten 5-Sekunden-Modells.

Darunter versteht man die Zusammenführung von fünf Begriffspaaren: "Sekunde" ist dabei nicht etwa der reine Zeitabschnitt. "Sekunde" ist vielmehr der kleinste Abstand zwischen zwei Noten, der in seiner Dissonanz störend klingt, aber gleichzeitig Fortschritt und Dynamik herausfordert. Nimmt man als eine der Sekunden das Wortpaar "Perfektion und Abenteuer", so steht dies gleichermaßen für ein kontinuierliches Streben nach Perfektion, aber auch für ein bewusstes Einlassen auf ein vielleicht im Ergebnis nicht mehr perfektes Abenteuer.

Dem Buch wird eine CD mit klassischer Musik beiliegen - als Beispiel für die Spitzenleistung der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und zur Verdeutlichung der 5 Sekunden.

Scholz, Christian/Schmitt, Albert, Hochleistung braucht Dissonanz: Was Teams vom 5-Sekunden-Modell der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen lernen können, Weinheim (Wiley VCH) 2011, ISBN 3-527-50560-1. Preis: 29,90 EUR.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und das 5-Sekunden-Modell
|  impressum  |  © orga.uni-sb.de 2011  |